Angeln auf Hecht im Freiwasser – Fische finden

In den letzten beiden Artikeln dieser „Freiwasser-Serie“ habe ich euch eine Hilfestellung zum passenden Set-Up und zu den geeigneten Ködern gegeben. Aber was nützt uns das beste Tackle und die schönsten Köder, wenn wir damit an den Fischen vorbei angeln… Die Fische im Freiwasser zu finden ist nämlich eine der schwierigsten Aufgaben dieser Fischerei.

Ideale Bedingungen für das Freiwasserangeln

Surfer sind ein guter Indikator für aktive Hechte. Der Wind bringt Sauerstoff ins Wasser.

Die besten Bedingungen zum Hechtangeln

Zunächst ist es wichtig, zur richtigen Zeit am Wasser zu sein. Klar, man muss angeln gehen, wenn man Zeit hat. Trotzdem kann man versuchen, sich seine freien Tage so einzuteilen, dass man die Beißzeit am Wasser verbringt und andere Dinge des Alltags davor oder danach erledigt. Hat man den ganzen Tag Zeit ist es umso besser.

Die Aktivitätsphasen der Hechte kann man auf verschiedene Faktoren zurückführen. Diese weichen aber auch jahreszeiten- und tageszeitenabhängig von der Regel ab. Viele Angler schwören zum Beispiel auf den Tageszeitlichen Verlauf des Mondes, bei anderen wiederum muss der Luftdruck  oder die Windrichtung optimal passen. Es existieren unzählige Theorien zu diesem Thema, mit denen man sich absolut verrückt machen kann. Ich halte mich gerne an den alten Spruch, den mir schon mein Vater beibrachte – „Sauwetter ist Hechtwetter“. Das heißt je ungemütlicher es draußen wird, umso mehr zieht es mich rein in das wasserdichte Gewand und raus auf den See.

Der Spruch “Schlechtwetter ist Hechtwetter” hat sich wieder einmal bewahrheitet.

Die richtige Tiefe finden

Natürlich mache aber auch ich mir mehr Gedanken zu diesem Thema. Ein Faktor, der mir beim Freiwasserangeln sehr wichtig ist, ist der Wind. Wenn gut Welle am Gewässer ist, kommt auch Bewegung unter die Oberfläche. Das Wasser kühlt leicht ab und wird mit Sauerstoff angereichert. Dadurch werden die Hechte aktiv und beginnen mit der Futtersuche. Natürlich muss man vorsichtig sein und je nach verwendetem Boot rechtzeitig ans Ufer fahren, bevor es gefährlich wird.

Setzten wir also voraus, dass wir uns an einem geeigneten Tag mit guten Bedingungen auf einem großen Gewässer im Freiwasser befinden. Wo beginnen wir mit der Suche? Ein wertvolles Hilfsmittel hierbei ist eine detaillierte Tiefenkarte des Gewässers. Sobald nämlich größere Strukturen erkennbar sind, auch wenn sich diese in sehr großen Tiefen befinden, kann sich darüber ein Versuch auf jeden Fall lohnen. Beispielsweise können Erhebungen oder Kanten, die erst in 20, 30 oder mehr Metern Tiefe beginnen, Strömungsänderungen im Gewässer bewirken. Hier sammelt sich Plankton und dadurch auch Futterfische an.

Voralpenseen und Talsperren haben riesige Wasserflächen

Überall Wasser… Um hier die Fische zu finden, kommt es auf Strukturen und die richtige Tiefe an.

So ticken die Hechte im Freiwasser

Aber auch in strukturlosen Bereichen halten sich vereinzelt Hechte auf. Diese ziehen gerne mit den großen Lauben oder Renkenschwärmen umher, die in tiefen Voralpenseen oder Talsperren häufig vorkommen. Ist die Verwendung eines Echolotes erlaubt, kann man über das Gewässer fahren und diese Schwärme suchen. Hat man sie gefunden, weiß man auch gleich in welcher Tiefe man seinen Köder präsentieren sollte. Auch können große Einzelsicheln Auskunft darüber geben, in welcher Tiefe sich die Räuber aufhalten. Darf man, wie an meinem Hausgewässer, kein Echolot verwenden, hilft ein sogenanntes Tiefenthermometer (aus dem Karpfenanglerbedarf) dabei die Sprungschicht zu finden. Zeigt es in kurzer Distanz einen markanten Temperaturabfall an, weiß man wo sich die Sprungschicht befindet. Darin (oder kurz darüber) warten häufig die aktiven Räuber mit dem Blick Richtung Wasseroberfläche auf vorbei schwimmende Beute.

Durchhalten lohnt sich beim Hechtangeln

Das Durchhalten und Suchen der Fische hat sich gelohnt.

Die beste Tiefe zum Angeln

Unsere Köder sollten wir dann einige wenige Meter über den Köpfen der Hechte hinweg führen. Bei guter Verfassung und klarer Sicht können Freiwasserhechte vereinzelt bis zu 10m nach oben schießen um Futter zu erbeuten. Die optimale Distanz für einen Angriff liegt wahrscheinlich bei 1-4m. Aktive Fische stellen sich erfahrungsgemäß auch etwas flacher als passive. Deshalb fische ich im Freiwasser selten tiefer als 7-8m, eher flacher. Auch lässt sich so der Köder einfacher führen und sehr tiefstehende Fische werden außerdem geschont. Denn der große Tiefen- und damit Druck- und Temperaturunterschied, der in der kurzen Zeit des Drills überwindet werden muss, endet für sehr tief gefangene Fische nicht selten tödlich. Um die großen Mutterfische also zu schonen und gegebenenfalls rasch und ohne Probleme releasen zu können, sollten wir versuchen, die aktiven Fische in den oberen Wasserschichten zu beangeln.

Ein wichtiges Hilfsmittel: das Tiefenthermometer

Das Tiefenthermometer gibt Auskunft über die Temperaturunterschiede in den verschiedenen Tiefen.

Die eigene Erfahrung an euren Hausgewässern hilft euch bei der erfolgreichen Suche nach den Freiwasserhechten allerdings am besten. Wie auch bei den Ködern gibt es hier ebenso kein „Generalrezept“. Außerdem können Freiwasserhechte sehr zickig sein, soll heißen, auch an den besten Stellen sind Schneidertage nicht selten.

Petri Heil aus Österreich!

Euer Daniel Hemetsberger